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Atomenergie verliert an Bedeutung – Rekordzubau bei der Photovoltaik

Rekordzubau bei der PhotovoltaikRegenerative Energien überflügeln Atomstrom in der EU

In der Europäischen Union wächst der Anteil der regenerativen Energien am Strommix, während die Atomkraft weiter an Bedeutung verliert. Im vergangenen Jahr sank die Produktion von Atomstrom im Vergleich zum Vorjahr um 2 %. Im Gegenzug erhöhte sich die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien um rund 2 % und liegt nun 18 % über der Produktion von Atomstrom.

Aus Sicht der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) werden die Erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren weiter zulegen, da die installierte Leistung in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten spürbar gewachsen sei. In Frankreich, in dem knapp die Hälfte aller EU-Atomreaktoren steht, erhöhte sich 2016 die installierte Leistung in den Technologiesparten Windkraft und Bioenergie gegenüber dem Vorjahr jeweils zweistellig. Außerdem hat die neue Regierung bestätigt, den Anteil der Atomenergie bis 2025 auf 50 % abzusenken und bis zu 17 Atomreaktoren stillzulegen.

Erneuerbare produzieren in Deutschland doppelt soviel Strom wie Atomkraftwerke

Allein in Deutschland haben im vergangenen Jahr die regenerativen Energien Photovoltaik, Windstrom, Wasserkraft und Biomasse zusammen mehr als 188 Terawattstunden grünen Strom produziert und damit mehr als doppelt soviel Strom wie die derzeit noch acht Atomkraftwerke. „Inzwischen erzeugen die Erneuerbaren Energien mit ihrem starken Rückhalt in der Bevölkerung mehr Strom als es die Atomkraft je geschafft hat“, erklärte Philipp Vohrer, Geschäftsführer der AEE. Doch trotz des Atomausstiegsbeschlusses ist Deutschland nach Frankreich immer noch der zweitgrößte EU-Atomstromproduzent. Vohrer betont, dass das Ende des Atomzeitalters in Deutschland kein Grund sei, die Bestrebungen beim Ausbau der Erneuerbaren zurückzufahren. „Wenn wir unsere Ziele beim Klimaschutz erreichen wollen, dürfen wir das Wachstum der Erneuerbaren jetzt nicht bremsen, sondern müssen es beschleunigen.“ Ein dynamischer weiterer Ausbau der regenerativen Energien sei notwendig, damit außer der Kernkraft auch die klimaschädliche fossile Energie ersetzt werden könne.

Global installierte Photovoltaik-Leistung zieht Ende 2017 gleich mit Atomkraft

Weltweit gehen Analysten für 2017 von einem neuen Rekordwert beim Zubau der Photovoltaik-Anlagen aus, der zwischen 80 und 90 Gigawatt liegen wird. Ende 2017 werden dann sowohl die Photovoltaik als auch die Atomkraft voraussichtlich auf jeweils rund 390 Gigawatt Gesamtleistung kommen. „Dies ist ein Meilenstein“, schreiben Analysten. Bis 2022 sei sogar zu erwarten, dass die installierte Photovoltaik-Leistung global auf 871 Gigawatt anwachse und damit doppelt so hoch wäre wie die Leistung der heutigen Kernkraftwerke.

In Deutschland liefert Photovoltaik soviel Energie wie alle deutschen Atomkraftwerke

Im Mai 2017 war die monatliche Stromerzeugung durch deutsche Photovoltaik-Anlagen mit 5,57 Terawattstunden wieder auf dem Niveau der Kernenergie. Vor allem das sehr sonnige letzte Monatsdrittel und verlängerte Zeiten für Wartungs- und Reparaturarbeiten haben die Solarstromproduktion begünstigt. Erstmals zog die Photovoltaik im Jahr 2015 mit der Kernenergie gleich; damals lieferten beide Energiequellen 5,18 Terawattstunden.

Erneuerbare Energien klar im Trend

„Der Trend geht klar in Richtung erneuerbare Energien, auch wenn der Ausbau noch zügiger voranschreiten kann“, sagt der stellvertretende AEE-Geschäftsführer Nils Boenigk. Damit die Atomkraft europaweit endlich an ihren wahren horrenden Kosten gemessen werde und ins Museum komme, brauche es faire Regeln in der EU. Bei der aktuellen Reform der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) müsse die EU die Gelegenheit ergreifen, mit Ausbauzielen und Marktzugangsregeln einen fairen Wettbewerb für die erneuerbaren Energien zu gewährleisten. Der AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer ergänzt:„ Für den europäischen Strommarkt der Zukunft sind Investitionen in eine flexible, saubere Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien eindeutig die bessere Wahl.“


Quelle: PV Magazin, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, Agentur für Erneuerbare Energien